Ein spannendes erstes Jungjäger Jahr

Das grüne Abitur in der Tasche und nun kann`s losgehen! Aber wie bzw. wo fängt man an. Durch Zufall bin ich auf das Hegelehrrevier Moorgarten der Kreisjägerschaft Lübeck gestoßen. Kurzer Hand Ernst Pnischak per E-Mail angeschrieben und los ging’s ?! Gleich auf den Hochsitz und den ersten Rehbock erlegen … NEIN ! So geht das nicht. Zwar 3 Wochen intensiv vieles über das Jägerleben und das Weidwerken gelernt, aber Theorie und Praxis klaffen doch sehr auseinander und wenn man Rehwild auf einmal vor sich hat, ist doch plötzlich alles anders. So, nun zurück zum Anfang, also wie schon erwähnt habe ich einen Termin mit Hr. Pnischak im Lehrrevier vereinbart und meine erste Frage war natürlich, darf ich meine Waffe auch gleich mitnehmen?! Ernst Pnischak erklärte mir, wir wollen uns zunächst das Revier ansehen und ich sollte die Moorgartenjäger erst einmal kennen lernen und erst danach geht es erstmals mit erfahrenen Jägern zum Ansitz. Denn Jagen ist wie ein Autoführerschein, man besteht die Prüfung, aber man ist noch lange kein guter Autofahrer. Also gesagt getan, an einem sonnigen Mittwochnachmittag war es so weit. Das Jägerleben kann beginnen, ich wurde freundlich von Ernst Pnischak und den anderen Moorgartenjägern aufgenommen. Heute sollte es zum Ansitz auf Rehböcke ins Revier gehen. Gemeinsam wurde besprochen, wer auf welche Hochsitz/Kanzel geht. Abbaumen war um 20.00 Uhr angesetzt, so dass wir uns danach alle wieder in der Jagdhütte eintreffen sollten. Die Anblicke des Ansitztages wurden in gemütlicher Runde später noch ausgetauscht und ein toller Tag klang aus.

Nach einigen spannenden Ansitzen, bewaffnet mit Fernglas, durfte ich das erste Mal meine Büchse mitnehmen. Und wie auch in den vorherigen Ansitzen bemerkt, ist es nicht so einfach, einen passenden Rehbock vor die Büchse zu bekommen, denn im Moorgarten gilt, sicheres Ansprechen und kein Schuss über eine Distanz von100m.

Es folgten noch einige Ansitze, bis ich einen Spießer auf 60 m vor mir hatte. Nun war es so weit, das Jagdfieber begann. Einen kurzen Blick zu meinem erfahrenen Nachbarn, der mir zunickte. Ich hob meine Waffe und legte sie an. Kontrollierte noch mal durch mein Zielfernrohr, der Spießer stand quer vor mir, so dass ein Blattschuss möglich war. Mein Herz raste, der Bock hob das Haupt, ich stach ein und drückte ab. Der Bock fiel im Knall. Mein Nachbar erhob sich und wünschte mir ein Waldmannsheil. Mein erster Bock! Gemeinsam stiegen wir vom Hochsitz und gingen zum erlegten Stück. Wir brachten den Bock zur Jagdhütte. Nun galt es ihn aufzubrechen. Ich hatte in der Vergangenheit schon oftmals zugesehen, wie Rehwild aufgebrochen wurde. Gerade in Moorgarten wird viel auf Wildbret- hygiene wert gelegt. Anschaulich wurden die einzelnen Organe gezeigt, besprochen und auch ein Buch über Wildkrankheiten wurde schon mal zur besseren Anschauung herangezogen. In der Ausbildung mit 20 Teilnehmern ein Stück aufzubrechen ist eine Sache, aber davor zu stehen und es selbst zu machen, ist schon für den Anfang eine große Herausforderung. Gesagt, getan. Ich durfte meinen ersten Bock aufbrechen. Mir wurde noch mal genau die Schnittführung gezeigt und wenn ich mal abrutschte oder eine Frage hatte, stand mir sofort ein Jäger mit Rat und Tat zur Seite. Es ging weiter mit der Kontrolle des großen und des kleinen Gescheides. Nachdem der Bock aufgebrochen war, wurde er zum Auskühlen aufgehängt. Vier Tage später sollte ich meinen ersten Bock zerwirken. Auch hier wurde wieder viel auf Hygiene geachtet und mir alle Details genau erklärt. Denn immerhin möchte man das Stück ja selber essen oder vielleicht Freunden geben ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Das Jagdfieber hat mich nun richtig gepackt und der Mittwoch wurde ein fester Tag für den Ansitz in meinem Kalender. Es war immer wieder lehrreich, auch wenn Mitjägerkollegen ein Stück erlegten, konnte ich mir immer wieder Tipps und Kniffe abgucken. Somit folgten im Jahresverlauf weitere spannende Jagdansitze und Jagderfolge. Nicht nur das Ansitzen gehört zu einem Jägerleben, sondern auch anfallende Revierarbeiten wie z.B. Pirschwege fegen, Ansitze und Stege reparieren oder das regelmäßige bestücken der Kirrplätze. Weiterhin möchte ich die Öffentlichkeitsarbeit des Lehrrevieres erwähnen. Eine dieser Veranstaltungen war z. B. die Ferienpassaktion. Hierbei saßen wir Jäger mit den Kindern gemeinsam auf dem Hochsitz, und erklärten die erblickte Tier- und Pflanzenwelt. Im Anschluss berichteten die Kinder voller Stolz ihre Erlebnisse bei einer Grillwurst vor der Elternschaft. Zusammenfassend möchte ich noch mal erwähnen, wie gut ich im Hegelehrrevier aufgenommen wurde und mit wie viel Hingabe und Geduld mir alles erklärt wurde und mir stets jederzeit bei Fragen jemand zur Hilfe stand.

 

Waidmansheil

 

Philip Kiess

Das ist des Jägers

Ehrenschild,
daß er beschützt

und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt,

wie sich’s gehört,
den Schöpfer im

Geschöpfe ehrt.