Zwischen Wald und Wild: Mit Jägern auf der Pirsch

Vorsichtig setzt Ernst Pnischak einen Stiefel vor den anderen. Er passt ganz genau auf, wo er hintritt — schließlich will er nicht auf einen knackenden Ast treten, Lärm machen und die Tiere verscheuchen. Sein wacher Blick beobachtet abwechselnd den Moorgartener Waldboden vor ihm und die ferne Umgebung zwischen den Bäumen. Manchmal bleibt er stehen und bückt sich hinunter, um einige Spuren genauer zu betrachten.

Ernst Pnischak ist Jäger. Und er ist auf der Pirsch. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Daniela Weise, die mit Hündin „Anca“ einige Meter versetzt zu ihm läuft, streift er durch den Wald. Denn bevor es für die Jäger zum sogenannten Ansitzen auf einen der zahlreichen Hochsitze geht, wird im Wald nach Spuren gesucht. „Wir schauen, welche Tiere unterwegs sind, wo sie gefressen oder geschlafen haben und versuchen herauszufinden, wo sie sich aufhalten könnten“, sagt Pnischak.

Und dann ist Geduld gefragt. Viele Stunden harren die Jäger auf ihren Hochsitzen aus, bis sie ein Tier vor die Flinte bekommen. „Und wir schießen nur, wenn wir uns sicher sind, das Tier mit einem Blattschuss sauber zu erlegen“, sagt Pnischak. Zwar packe einige unerfahrene Jäger auch mal das Jagdfieber und sie schießen eher als sie sollten — das sei aber die absolute Ausnahme. Außerdem müssen sich die Jäger an die sogenannten Schonzeiten halten. Die sind im Jagdgesetz geregelt und besagen zu welcher Jahreszeit welche Wildtiere geschossen werden dürfen. „Schließlich sind die Jäger dafür da, den Wildbestand zu regulieren“, erklärt Pnischak. Denn natürliche Feinde wie Wölfe oder Bären haben die Tiere in unseren Regionen heutzutage nicht mehr.

Das Jagdgebiet von Ernst Pnischak ist das Lehrrevier Moorgarten in Moisling/Niendorf im Süden Lübecks. Hier kennt er jeden Pfad, jede Suhle und jeden Baum. Hier gibt es Rehe und Wildschweine. Auch Hasen und Fasane gibt es dort — die werden aber nur wenig bejagt. Seitdem Pnischak Pensionär ist, kommt er fast täglich hier heraus — meistens zum Beobachten.

„Es geht beim Jagen ja nicht ausschließlich um das Erlegen von Wild“, sagt Pnischak. Vielmehr gehe es ihm darum, in der Natur zu sein und das Leben der Tiere zu beobachten. „Wenn man zur Morgendämmerung auf dem Hochsitz die Sonne aufgehen sieht und sich ein leichter dünner Nebel über den Wiesen am Waldrand zeigt — das ist einfach ein unvergesslicher Moment. Das brennt sich tief ins Herz hinein“, sagt Pnischak voller Begeisterung.

Und diese Begeisterung gibt der Naturfreund auch gerne weiter. Im Lehrrevier sind regelmäßig Schulklassen, Jugendgruppen aber auch Erwachsene zu Gast. Mit denen streift der Jäger dann durch die knapp 240 Hektar des Reviers und erkundet den Wald. Welches Tier hinterlässt welche Spuren? Warum werden Wildschweine auch Schwarzwild genannt? Oder was für verschiedene Bäume gibt es im Wald? Diesen und anderen Fragen geht der Jäger bei den Erkundungstouren auf den Grund. „Und das kommt bei den Besuchern immer gut“, sagt Pnischak. Man könne vor allem Kinder auf diese Weise ganz einfach und spielerisch für die Natur begeistern.

Und das ist ja auch letztlich genau das, was Ernst Pnischak wichtig ist — die Natur mit all ihren Pflanzen und Tieren.

Den Wald erkunden
Das Lehrrevier Moorgarten in Moisling/Niendorf gehört seit 1999 zur Kreisjägerschaft (KJS) Lübeck. Auf dem etwa 240 Hektar großen Gelände, das die KJS von der Stadt gepachtet hat, und in einem Schulungsraum soll Besuchergruppen der Naturerlebnis- und Lebensraum Wald nahe gebracht werden. Organisiert wird das Lehrrevier von insgesamt zehn ehrenamtlichen Helfern der KJS Lübeck.

Das ist des Jägers

Ehrenschild,
daß er beschützt

und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt,

wie sich’s gehört,
den Schöpfer im

Geschöpfe ehrt.