Ab dem 01. April 2014 ist die Hansestadt Lübeck, Bereich Stadtwald, Jagdausübungs- berechtigte für den Eigen-Jagdbezirk Nienhüsen-Moorgarten. Unserer Bemühungen, eine Pachtverlängerung für das Revier zu bekommen, sind gescheitert. Stattdessen erteilt der Stadtwald dem Lehrrevier einen „entgeltlichen Jahreserlaubnisschein“ (Begehungsschein).


Als Revierleiter ist der Forstbeamte Herr Baeskow für das Jagdrevier zuständig.  Für unser Image als Lehrrevier der Kreisjägerschaft Lübeck hat dieser Umstand nach außen hin keine Auswirkung. Im Mittelpunkt bleibt die Öffentlichkeitsarbeit bestehen mit der Ausrichtung der Ferienpassaktion sowie den Besuch der Kinder- und Erwachsenengruppen. Darüber hinaus sind wir weiterhin für den Bau und die Sicherheit der jagdlichen Einrichtungen zuständig. Der Revierförster stellt den Abschussplan auf, deren Erfüllung für den Stadtwald von hoher Wichtigkeit ist. Das erlegte Wild wird weiterhin von den Moorgartenjägern veräußert und in die Wildkasse eingezahlt. Die Zusammenarbeit mit dem Revierförster hat sich bisher als kooperativ und einvernehmlich herausgestellt.


Leider hat unser Vermieter ab Januar 2015 die Miete um insgesamt 360 € / Jahr erhöht. Damit die Vereinskasse nicht weiter belastet wird, haben die Moorgartenjäger beschlossen, diesen Mehrbetrag durch eine Umlage am Jahresende „aus der eigenen Tasche“ auszugleichen.

Am 6. September 2014 fand unsere Jubiläumsfeier statt. Seit nunmehr fünfzehn Jahren besteht das Lehrrevier der Kreisjägerschaft Lübeck. Zu dem Fest waren alle alle Mitglieder der Kreisjägerschaft, deren Familien und Freunde eingeladen. Rückblickend möchte ich erinnern, dass Jürgen Block die ersten zehn Jahre das Lehrrevier geleitet hat, bis er auf eigenen Wunsch die Verantwortung zunächst kommissarisch an mich übertragen hat. Die Mitglieder der Kreisjägerschaft Lübeck haben mich daraufhin zum Obmann gewählt. Das Lehrrevier hat sich in den vielen Jahren seiner Existenz zu einem Ort der Begegnung großer und kleiner Naturfreunde entwickelt. Die vielen Diskussionen, Führungen durch den Wald und Spiele in der Natur haben den Ruf der Jägerschaft nachhaltig verbessert. Hin und wieder erscheint über unsere Öffentlichkeitsarbeit ein Bericht in der lokalen Zeitung, was wiederum manche Leser veranlasst haben, das Lehrrevier aufzusuchen. Seit einiger Zeit haben wir eine eigene Homepage mit vielen interessanten Berichten rund um das Lehrrevier.  Sie steht erst in den Anfängen und muss noch mit mehr Bildern und Beiträgen versehen werden. Die Anzahl der Jungjäger im Lehrrevier hat sich erfreulicher Weise stark erhöht. Bemerkenswert ist, dass zwischen den hilfsbereiten älteren Moorgartenjägern und den wissbegierigen Jungjägern ein kamerad- schaftliches und harmonisches Verhältnis besteht.


Doch zurück zu unserer Jubiläumsfeier. Zunächst möchte ich mich bei allen HelferInnen recht herzlich bedanken. Gemeinsam haben wir geplant, organisiert, aufgebaut, geschmückt ……..!


Zu den Aktionen: Treckerrundfahrten (Jürgen Block), Luftgewehrpreisschießen (Karl-Heinz Theiss und Stefan Tanck), mittelalterliches Preisbogenschießen (Natascha und Onno Ritter), große Tombola (Marvin Bartelsen), Grillstand (Jörg Andersen und Kristian Anhalt), Kaffee, Kuchen und Getränke (Stefan Dohse und Heinz Hänel), Kindernagelbrett (Marvin Bartelsen). Noch anzumerken: Wetter gut, Stimmung gut, Besucherzahl siehe Bilder:

Wo ist das Rehwild geblieben, wo die Sauen? Diese Fragen waren in 2014 die meistgestellten unter den  Moorgartenjägern. An über 200 Tagen waren die JägerInnen laut Ansitzbuch im Revier. Bis Anfang September  konnte die vorgegebene Zahl des zu erlegenden männlichen Rehwildes nicht annähernd erreicht werden. Von Juni bis Mitte November 2014 kam seit Bestehen des Lehrreviers noch nie so wenig Wild in Anblick! Woran liegt es? Gute Deckung, verändertes Äsungsangebot, zu viel Bewegung im Wald durch Hundeführer, Spaziergänger oder die unermüdlich durchgeführten Forstarbeiten im Wald? Auch auf den 4 angebotenen Ferienpassaktionen bekamen die Kinder ungewohnt wenig Wild in Anblick. Die Strecke auf der Ansitzdrückjagd am 08. November 2014 sprach für sich, lediglich ein Kitzbock wurde erlegt.


Die veränderten Jagdzeiten führten u. a. dazu, dass die Anzahl der erlegten Schmalrehe in unserem Revier erheblich zurückgegangen ist. Vor der Regelung hatten wir im Mai bereits einige Stücke erlegen können. Der gesamte weibliche Abschuss konzentriert sich nunmehr auf 4 Monate im Jahr. Hinzu kommt, dass das Ansprechen der Schmalrehe nicht mehr so leicht erfolgt wie im Mai. 


Aber auch etwas Erfreuliches war zu beobachten, der Hasenbesatz, Fasan und Rebhuhn haben ordentlich zugenommen. An Raubwild konnten wir einen Marderhund erlegen. Fuchs und Dachs sind lt. Anweisung des Stadtwaldes zu schonen.


Das Schwarzwild wurde immer mal wieder gefährtet, hielt sich aber nie länger im Wald auf.


Nach der Jagd im Nachbarrevier, im Dezember 2014, wechselten die Sauen offensichtlich in das Lehrrevier, die Kirrungen sind seit zwei Wochen angenommen. Es handelt sich um eine Rotte von ca. acht bis zehn Stücke.

Die Jubiläumsdrückjagd fand am 08. November 2014 statt. Etwa 30 Schützen haben die Stände belegen können. Eine starke Treiberwehr mit mehreren erfahrenen HundeführerInnen haben Wald und Feld durchgedrückt. Es war sonnig, die Temperaturen etwas über Null. Ideal, um das Wild auf die Läufe zu bringen. Am Ende konnte ein Kitzbock gestreckt werden. Nach Aussage der Schützen und Treiber kamen nur wenige Stücke Rehwild in Anblick. Eine Tatsache, die bereits das ganze Jahr über zu bemerken war. Die gute Laune ließ sich die Jagdgesellschaft nicht nehmen. Nach der Rückkehr der Schützen und Treiber wurde zunächst eine Wildbratwurst mit Brötchen gereicht, so konnte der erste Hunger gestillt werden. Nach der Übergabe des Bruches an den Jagdkönig und dem Verblasen der Strecke wurde die von Heinz Bungert zubereitete und dem Lehrrevier gespendete Linsensuppe mit Wurst gereicht. Bei Punsch, Bier und alkoholfreien Getränken und immer wieder netten Gesprächen mit „alten“ Jagdkameraden endete ein schöner Jagdtag im Lehrrevier der Kreisjägerschaft Lübeck.

 

Einen kleinen Eindruck spiegeln nachstehende Bilder von der Jagd wieder:

Claudia Andernach, Ernst Weise-Pnischak;  es erfolgt die Sicherheitsbelehrung

Ernst Pnischak, Heinz Hänel, Werner Kröger; Einteilung der Ansteller

Ansteller Alwin Beetz bei der Einweisung seiner Schützen

Letzter Austausch der TreiberInnen und Schützen

Sammeln der TreiberInnen und HundeführerInnen

Klönschnack am Ansitz zwischen Treiberin und Schützen

Wo sind die Schweine? Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Rückkehr der TreiberInnen und HundeführerInnen

Irgendwie sehen die ganz „frisch“ aus

Erst einmal stärken

Unsere Fotografin und Hundeführerin

Bericht eines Jagdgastes:

 

Der Herbst ist bereits in vollem Gange und durch berufliche Abwesenheit hatte ich leider die Zeit der Erntejagden weitestgehend verpasst. Umso mehr freute ich mich über den spontanen Anruf meines Jagdfreundes Thomas. Auf die Frage: Hast Du Zeit und Lust am Samstag zur Drückjagd ins Lehrrevier der Kreisjägerschaft Lübeck zu kommen, wir hätten da noch ein Plätzchen frei, Als Gast im Lehrrevier Moorgarten am8. November 2014

konnte es also nur eine Antwort geben: Ja klar, gerne.


Nach einer unruhigen Nacht, die meisten Jungjäger wissen wovon ich spreche, denn das Drückjagdfieber ist doch für jeden Jäger etwas Besonderes, ging es also mit gepackten Sachen auf in Richtung Lübeck. Noch im Auto also nochmal in Gedanken alles durchgehen, habe ich auch nichts vergessen? Warnweste, Jagdschein, Büchse und natürlich genug Munition. Man weiß ja nie was der Jagdtag so bringt. Als ich mir sicher war, dass alles gut verstaut im Kofferraum lag, kam ich auch schon im Lehrrevier an.


Bereits bei meiner Ankunft war zu merken, dass dies wohl eine sehr gut organisierte Jagd werden würde. Die Hinweisschilder „Achtung heute Jagd“ an der Landstraße, wiesen auf gründliche und vor allem fleißige Vorarbeiten der Organisatoren hin. Auch die Parkplätze vor dem Hof waren deutlich gekennzeichnet und mit einem freundlichen Nicken wurde mir gedeutet, wo ich mein Auto abstellen könne. Dann also auf zur Begrüßung, wobei ich gleich als ersten bereits auf meinen Jagdfreund Thomas Schultz stieß, der wie immer gelassen seinen Zigarillo rauchend mit anderen Waidkameraden am Feuerkorb stand. Diese Gelassenheit sollte sich im Laufe des Tages noch auszahlen, doch dazu später mehr.


Kurz darauf stand ich auch schon zur Anmeldung mit gezücktem Jagdschein im Gemeinschaftsraum des Lehrreviers, worauf hin mir mein Stand zugewiesen wurde und in gedruckter Form alles Wichtige für den Tag übergeben wurde. Auch hier war wieder an alles gedacht, die Sicherheitshinweise waren klar und deutlich, die Freigaben und Zeiten des Treibens ebenso.


Nun folgte das traditionelle Signal Sammeln der Jäger mit der sehr herzlichen Begrüßung und der Wiederholung aller Sicherheitsvorschriften durch den Jagdleiter Ernst Weise-Pnischak. Wie bei jeder Drück- oder Gemeinschaftsjagd sah man bei der Bekanntgabe der Freigaben viele Häupter aufmerksam in die Höhe schnellen. Der Jagdleiter gab zuerst Rehwild frei, beginnend mit Kitzen, Schmalrehen, Ricken und sogar Böcken. Im Anschluss gab er bekannt es seien Sauen im Revier bestätigt, nämlich eine Bache mit Frischlingen, wobei die Bache auf jeden Fall zu schonen ist. Das Wort Sauen allein bewirkt bei vielen schon eine Steigerung der Pulsfrequenz, doch als dann von einem Keiler der Größe eines Ponys gesprochen wurde, kam wohl bei allen nur ein Wunsch auf, den ich nicht weiter erläutern muss. Die weitere Freigabe der Marderhunde und Waschbären ging danach wohl etwas unter, da in den Köpfen etwas Großes die Runde machte.


Bis zu diesem Zeitpunkt war noch nicht eine geschulterte Büchse zu sehen. Diese kamen erst nach der Einteilung der Schützen an die jeweiligen Ansteller zum Vorschein, was mit großer Ruhe erfolgte. Genauso ruhig und organisiert gingen, oder fuhren wir unseren Anstellern folgend auf die Stände. Dank der kopierten Revierkarte mit den genauen Bezeichnungen der Kanzeln und einer präzisen Wegbeschreibung fand auch ich meinen Stand fast auf Anhieb.

Trotz meines Versuches möglichst leise, denn lautlos werde ich wohl nie lernen, auf den Stand zu gelangen, sah ich beim ersten Schritt auf die Leiter nur noch etwas Graues im Unterholz verschwinden. Rehwild ist also vorhanden, vielleicht kommt es ja zurück.


Mittlerweile war es 09:45 und das Treiben begann. Durch Rascheln und Klingeln der ersten Hunde im Gehölz bekam ich auch direkt Anblick in Form von Meister Lampe, der sich möglichst klein aus dem Treiben direkt hinter meinen Sitz drückte. Hund und Treiber zogen vorbei und der Hase hoppelte gelassen zurück in das Gehölz. Im Anschluss gab ich mich meinen Gedanken hin und konnte zwei emsige Kleiber am nächststehenden Baum eifrig auf und ab huschen sehen. Jedem Geräusch folgend sicherte ich mal hierhin und mal dorthin, doch das Rehwild und der erhoffte Keiler blieben weiterhin aus. Dafür gesellte sich bald das typische Klopfen eines Buntspechtes in die Stille des Waldes. Kurz darauf konnte ich auch diesen Waldgesellen ausmachen, wie er im Bestand das Totholz bearbeitete.


In diesem Augenblick fiel der lang erhoffte erste Schuss, der mich sofort aus den Gedanken riss und wieder die Augen aus Richtung der Baumwipfel eher auf Bodennähe wandern ließ. Dieser Schuss sollte dann aber auch bis zum Ende des Treibens der einzige bleiben. Die Kurznachricht an Thomas, ob er denn den ersehnten Keiler zur Strecke gebracht hätte, ergab die Antwort: Nee, aber ein Kitz. Somit war auch klar, dass wir eine Strecke zu verblasen hätten. Auf dem Streckenplatz angekommen, war unser Thomas tatsächlich der einzige Schütze mit Jagderfolg und somit gleichzeitig Jagdkönig dieses Tages. Es gab viel zu erzählen, denn Rehwild hatten doch viele im Anblick, doch war die Disziplin so gut, dass niemand wagte oder gar sinnlose Schüsse abgab.

Nun konnten wir uns erst einmal bei gegrillter Wildwurst mit Brot stärken, bevor wir gemeinsam nach alter Tradition Strecke legen konnten. Dies war schnell getan und so sammelten wir uns, erst die Jagdhornbläser und die Schützen links vom Jagdherrn und die Treiber mit Ihren Hunden rechts um die übersichtliche Strecke.


Besonders begeistert war ich von den Hunden. Das alte Sprichwort Jagd ohne Hund ist Schund, traf hier voll ins Schwarze. Wirklich alle Hunde hatten hervorragende und disziplinierte Arbeit geleistet. Es gab keine Ausreißer, oder Kläffer in der bunten Meute, die für Ihre Arbeit als besondere Aufmerksamkeit jeder vom Jagdherren eine Tüte Leckerlies übereicht bekamen.


So ging dann mit Dankesworten und der Ehrung unseres Jagdkönigs eine schöne Jagd zu Ende, wobei im Anschluss der gesellige Teil genauso gemütlich weiterging. Bei herrlich heißem Linseneintopf saßen wir noch länger zusammen und träumten natürlich weiter vom großen Keiler und der sicherlich beim nächsten Mal größeren Strecke. Es heißt immer die norddeutschen seien so kühl, was sich auch dieser Runde wieder einmal nicht bestätigt hat. Als Gast in dieser Runde wurde ich sehr herzlich aufgenommen, durfte zuhören, selbst erzählen und viel Erlebtes mitnehmen. Ich freue mich auf jeden Fall, wenn ich wieder in dieser tollen Gemeinschaft einen Tag erleben darf. Der Keiler ist ja immer noch irgendwo da draußen…

Mit herzlichem Waidmannsheil und bestem Dank für einen tollen Jagdtag.

Hannes Meißl

 

 

 

Revierarbeiten

 

Jeden Mittwoch treffen sich die Moorgartenjäger ab  13.00 Uhr zu den Revierarbeiten in der Jagdhütte ein. Oftmals geht es mit dem Trecker, beladen mit Material und Werkzeug in das Revier. Die Kanzeln werden auf Sicherheit geprüft und entsprechend repariert. Morsche Stege  ersetzt oder neue Sitze gebaut. Der Lübecker Stadtwald hat in seiner Funktion als Jagdausübungs- berechtigte alle Sitze im Revier überprüft und katalogisiert, es gab keine Beanstandung. Am Biotop haben wir im Berichtsjahr eine Blumenwiese in der Nähe des Insektenhotels angelegt und für die Amphibien einen artgerechten Platz errichtet. Bei trockenem und meist warmen Wetter ist das Schlegeln des Wildackers und auf dem Biotop kein „Zucker schlecken“. Oft Stunden lang sitzt Jürgen Block in der Kabine unseres Treckers und die Hitze ist kaum auszuhalten. Durch das umher fliegende Grünzeug kann die Kabine nicht geöffnet werden. Natürlich gehören Routinearbeiten, wie z.B. das regelmäßige Kirren im Wald, der Holzzuschnitt für die Kanzeln und das Warten der Werkzeuge und Maschinen zu den vielen Tätigkeiten im Revier. Sofern es den Jungjägern nach ihrer beruflichen Tätigkeit möglich ist, helfen sie bereitwillig bei allen Arbeiten mit.

Jürgen Block und Heinz Hänel beim Einsäen

Heinz Hänel und Ingo Czieslik erneuern Stege

Werner Kröger, Ernst Weise-Pnischak, Jörg Andersen und Oliver Klose

Daniela Weise, Jörg Andersen und Oliver Klose

Der Amphibienplatz ist fertig

Jungjäger

 

Im Mai haben sich 5 Jungjäger im Lehrrevier eingefunden. Mittlerweile sind sie in das Team integriert. Der Jungjäger Kristian Anhalt konnte in das Nachbarrevier „Oberbüssau“ vermittelt werden und hat dort bereits einen Überläufer gestreckt. Zwei Jungjäger sind im Pflegedienst tätig und haben sehr unterschiedliche Dienstzeiten. Eine kontinuierliche Mitarbeit in einem Fremdrevier ist ihnen nicht möglich, sie sind daher froh, im Lehrrevier eine jagdliche Möglichkeit gefunden zu haben. Nachstehend ein Bericht des Jungjägers Kristian Anhalt.

 

Der Start in die jagdliche Praxis im Lehrrevier Moorgarten

 

Nach bestandener Jagdprüfung Ende Mai diesen Jahres, war Sie wieder da, die Frage nach der Jagdgelegenheit.

Die ganze Zeit schon im Hinterkopf rumorend, nun mit einem großen Fragezeichen im Raum:

„Wo habe ich die Möglichkeit, das gelernte Anzuwenden, jagdlich Tätig zu werden und die Jagdpraxis näher zu erfahren?“

Für diejenigen wie mich, die keinerlei jagdliche Vorprägung in der Familie genossen und daher auch in dieser Hinsicht keine Kontakte zu Jagdpächtern haben, keine ganz so leichte Frage.

„Und wenn man vielleicht einfach in einer Zeitung inseriert und sich als Jungjäger anbietet?“

Einerseits verlockend, andererseits wird dann doch wohl einiges von einem verlangt.

Und sind wir doch mal ehrlich für die Prüfung haben wir ein dickes Buch gelesen, solange mit Waffen hantiert bis wir sie sicher bedienen konnten, ein paar Schuss abgegeben, um am Ende dann ein Paar Fragen und die praktische Prüfung zu bestehen. Aber richtig auf Jagd gehen, eventuell sogar gleich in Eigenverantwortung auf dem Hochsitz einen Schuss abgeben, dass erschien mir dann doch etwas zu gewagt.

Darum war ich besonders froh von der Möglichkeit der jagdlichen Betätigung im Lehrrevier Moorgarten der KJS Lübeck zu hören.

Mehrere Einzelpunkte und Erlebnisse die mir hier sehr gut gefallen, möchte ich gern hervorheben:

 

1.        Tolle Altersstruktur: Es sind fast alle Altersklassen vorhanden, und das viel angepriesene Mehrgenerationen-Lernen funktioniert hier nach bestem Vorbild. Das Know-How, die Erfahrung und die viele Zeit bringen „die Alten“ mit, die körperlichen anzustrengenden Tätigkeiten können die Jungen übernehmen.

2.        Das Lernen geht weiter: Man wird hier nicht allein gelassen. Den ersten Ansitz durfte ich mit dem Revierleiter Ernst Weise-Pnischak durchführen. Neben allgemeiner Revierkunde wurde ich noch mal auf Schussdistanzen aufmerksam gemacht, die sich vom Hochsitz aus leicht unterschätzen lassen. Auch wann man den Schuss - wo am besten anbringt, wurde besprochen.

Leider mussten wir den Hochsitz ohne Anblick eines männlichen Capreolus verlassen.

Aber beim ersten Ansitz wäre ja auch schon fast schade gewesen :)

Einen weiteren Ansitz durfte ich mit Ingo verbringen. Ein sehr Technik begeisterter „Altmoorgartener“. Was er an Optik aus seinem kleinen Rucksack zauberte war schlichtweg begeisternd. So kontrollierten wir geschätzte Entfernungen stets mit einem Entfernungsmesser, so dass ich mein Gefühl für Entfernungen schärfen konnte.

Neben vielen weiteren Ratschlägen  teilte er auch seine Käsestulle mit mir, sodass wir kaum bemerkten. wie relativ kurz nach Bezug und Einrichtung auf dem Hochsitz, ein junger Knopfbock keine 10 Meter vor unserer jagdlichen Einrichtung äste.

Ingo gab mir zu verstehen mich bereit zu machen und auf sein Zeichen zu warten, da der Bock noch nicht richtig stehe.

Leider sprang er nach kurzer Zeit ab und außer dem rasenden Puls blieb nichts als ein wenig Enttäuschung aber auch freudige Erregung zurück.

Mit den Worten „ Das wäre ein schöner Hegeabschuss gewesen.“ und „Wenn das dein Bock ist dann kommt er wieder und steht richtig.“  Der weitere Verlauf zeigte, es war wohl nicht mein Bock.

3.        Ein Paar Ansitze später saß ich mal wieder auf einem mir unbekannten Sitz und beobachtet im Licht der untergehenden Sonne eine vor mir liegende Streuobstwiese.

Ich saß so schon ein paar Stunden und Abbaumen war in einer halben Stunde angedacht, sodass ich mir keine großen Hoffnungen mehr machte, da ja bisher auch überhaupt kein Anblick zu bekommen war.

Da sah ich doch in knapp 100 m Entfernung ein starkes Reh um einen Knick schleichen.

Mit Puls auf hundert und Pochen auf den Ohren, schaute ich durchs Glas. Ein Bock!

Und das Gehörn... Über Lauscher hoch, nein das kann nicht sein dachte ich mir.

Ich hab ja nur bis Lauscher hoch Freigabe. Also noch mal durchs Glas geschaut.

Wenn er die Lauscher aufrichtet vielleicht... Nein immer noch zu stark. Und wenn man sie ein bisschen länger zieht... Nein das geht nicht.

Puls beruhigend entscheide ich mich dazu nicht zu schiessen und erst einmal zu beobachten.

Das Gehörn sechsendig. Die Figur recht stark. Der Gang... holprig.

„Was ist das, humpelt der Bock etwa?“ Ich habe einige Geschichten von Jungjägern gehört die solche Geschichten erfanden um zum Schuss zu kommen, aber dieser hier humpelt wirklich!!! Gehörschutz auf, ins Glas genommen. Schnell eine SMS an den Revierleiter. „Starker Bock vor. Aber humpelt. Feuer frei?“

Keine Antwort. Ich wähle die Nummer und lasse klingeln bis ich auf dem Display sehe dass abgenommen wurde. Dann lege ich auf, denn ich kann jetzt nicht laut sprechen. Der Bock immer noch unbehelligt äsend, hat mich noch nicht wahrgenommen. Wenige Sekunden später die Nachricht des Revierleiters „Ja.“ Ich lege an und auf einmal geht alles so schnell.

Wenige Minuten später liegt mein erster Bock gestreckt vor mir und was für einer.

Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass am linken Vorderlauf der Fuß fehlt. Wahrscheinlich ein Unfall. Ich bin erleichtert, dass man sehen kann was ich behauptet hatte.

Ein kurzer Anruf beim Revierleiter, der mir Waidmannsheil wünscht und an zwei Jagdkollegen die in der Nähe sitzen. Beide kommen sofort und helfen mir beim Bergen und Verarbeiten der Situation.

Ein wenig später wurde an unserer Aufbruchstelle nach höchstem Hygienestandard unter den Argusaugen vieler älterer aber auch jüngerer Mitjäger aufgebrochen.

Dass man nicht alle Tipps gleichzeitig beherzigen kann ist klar, aber es ist dennoch schön, soviel Hilfe und Unterstützung zu haben, wenn man nach den ersten Aufbrech-Versuchen in der Jagdscheinvorbereitung, nun zum ersten Mal sein eigenes Stück versorgt.

4.        Das Sommerfest 2014 war nach einigen Organisationstreffen ein voller Erfolg.

Neben Bogen- und Luftgewehrschießen und einer Tombola mit tollen Preisen, einer großen Auswahl an Gebäck und einigen Würstchen (natürlich auch mit Wildfleisch) war die Fahrt mit auf dem Anhänger unseres Treckers sicherlich ein Highlight des Tages.

Mit kundigen Erklärungen von Jürgen die nebst der Erklärung der Reviergegebenheiten auch Informationen zu Wildtier- und Waldkunde, sowie weiteren interessante Anekdoten enthielt, fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein einen Großteil des Reviers ab und freuten uns über jeden schattenspendenden Baum oder Strauch. Bei der Gelegenheit lernte ich die eine oder andere mir unbekannte Ecke des Reviers kennen.

Durch die Mitwirkung fast aller im Moorgarten aktiver Jäger, die unter der Schirmherrschaft von Ernst jeder Ihren eigenen Verantwortungsbereich bei der Durchführung des Festes hatten, wurde das Sommerfest ein voller Erfolg.

5.        Ende des Jahres stand dann die erste Drückjagd an, bei der ich zum ersten Mal bei einer Gesellschaftsjagd als Schütze teilnehmen durfte.

Im Vorfeld hatte sich Ernst als Revierleiter bei uns Moorgartener Jungjägern erkundigt, wer Interesse an einer jagdlichen Tätigkeit außerhalb des Moorgartens interessiert sei, da ein in der Nähe liegendes Revier neu verpachtet worden sei und der Pächter noch Unterstützung gebrauchen könnte.

Obwohl ich mich im Moorgarten sehr wohl fühlte meldete ich mich zögerlich.

Gerne würde ich mein jagdliches Engagement vertiefen und auch andere Reviere und andere Sichtweisen kennenlernen, wohl wissend dass dies keineswegs ein Abreißen jeglicher Verbindung in den Moorgarten bedeuten würde.

Auf der Drückjagd wurde mir der Revierleiter des Nachbarreviers vorgestellt und nach kurzer Unterhaltung tauschten wir Kontaktdaten aus.

Ein paar Wochen nach der Drückjagd trafen wir uns zur Revierbegehung. Nun bin ich schon seit ein paar Monaten in diesem Revier unterwegs und freue mich sehr dort mein erstes Schwein gestreckt und nette Leute kennengelernt zu haben.

 

Der Moorgarten bot für mich die große Chance als revierloser Jäger ohne familiär bedingten jagdlichen Hintergrund, Anschluss zu finden und neben meinem ersten selbst geschossenen Stück Wild, einer tollen Bocktrophäe und vielen schönen Ansitzen viele nette Menschen kennenzulernen und mit Praxis und guten Ratschlägen an den Jagdscheinkurs anzuknüpfen.

 

Kristian Anhalt

Schlussworte

Das gesamte Team bedankt sich bei allen Mitgliedern der Kreisjägerschaft Lübeck für deren Unterstützung. Gern werden wir die verantwortungsvolle ehrenamtliche Aufgabe im Sinne der Kreisjägerschaft weiter gewissenhaft ausführen. Wenn Sie uns einmal besuchen wollen, sind Sie immer herzlich willkommen. Wer  auf Rehwild ansitzen möchte, mit Freunden, Kollegen oder Vereinskameraden  eine Führung durch das Revier wünscht, sollte sich bei mir melden und einen Termin vereinbaren.

Wir wünschen allen Mitgliedern Gesundheit, Freude und viel Waidmannsheil.

 

Ernst Pnischak

 

Das ist des Jägers

Ehrenschild,
daß er beschützt

und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt,

wie sich’s gehört,
den Schöpfer im

Geschöpfe ehrt.