Liebe Jägerinnen und Jäger,

im Jahresbericht 2010/2011 habe ich Ihnen einen umfangreichen Überblick darüber verschafft, was im Lehrrevier Moorgarten im Laufe eines Jahres an Arbeiten und Ereignissen anfällt. Für die vielen positiven Rückmeldungen möchte ich mich bedanken. Im Wesentlichen hat sich in dem nun anstehenden Berichtsjahr hinsichtlich des Ablaufs 2011/2012 nicht so viel verändert, dass ich diese aufwendige Form des Berichtswesens erneut präsentieren möchte. Zu den Hauptaktivitäten des Lehrreviers werde ich Zahlen, Daten, und Fakten aufzeigen und mit kleinen Episoden untermauern.

Öffentlichkeitsarbeit
23. Februar 19.30 Hegeringsversammlung Hamberge Gasthaus „Traveblick“
09. März 19.00 Vorstandssitzung KJS HL
29. März 14.00 Vorbereitung und Herrichtung der
Jagdhütte
30. März 09.00 3. Grundschulklasse Niendorf
08. April 19.00 Jahreshauptversammlung KJS HL
09. April 09.00 Projekt Auswilderung “ Steinkauz“
16. April 09.00 Revierbesprechung; Ausgabe der Jagdberechtigungsscheine, Frühjahrsputz im Lehrrevier
20. April 09.30 Kinderhort Stockelsdorf 8 Kinder, 2
Erwachsene
01. Mai 04.00 Jagdaufgang
04. Mai 19.00 Vorstandssitzung
07. Mai 13.00 Nadelschießen Kröß
20. Mai 14.00 Kinderaktionstag Führung und Spiele
im Lehrrevier
22. Mai 08.00 KJS präsentiert sich auf dem Bauernhof Bennet in Israelsdorf*
24. Mai 09.00 7. Klasse OzD Lübeck 22
Kinder mit Biolehrerin
28. Mai 15.00 Geburtstagsfeier im Lehrrevier
(Führung und Spiele) 8 Kinder 2 Erwachsene
11. Juni 14.00 Gruppe Behinderter aus
Lübeck(betreutes Wohnen) 12 Personen 2 Erzieher
14. Juni 09.00 4. Grundschulklasse Moisling 24
Kinder, 2 Erwachsene
27. Juni 09.00 Studierende mit Ausbildungsleitungen
aus Hamburg (Behörde für Stadtent-
wicklung und Umwelt und Finanzbe- hörde) 16 Personen
28. Juni 09.00 Schulklasse 22 Teilnehmer
14. Juli 18.00 Ferienpassaktion
15. Juli 16.00 Führung Jungjäger Haffke
21. Juli 18.00 Ferienpassaktion
04. August 18.00 Ferienpassaktion
11. August 18.00 Ferienpassaktion
23. August 09.00 Behörde für Stadtentwicklung und
Umwelt
27. August 16.00 Pokalschießen/Grillen mit Ehegatten
29. August 16.00 Führung von angehenden Jungjägern
durch das Lehrrevier
04. September 08.00 Walderlebnistag
07. September 19.00 Vorstandssitzung
10. September 16.00 Sängergruppe Stockelsdorf
20.Oktober 09.00 Pfadfindergruppe Lübeck
22. Oktober 08.30 Gemeinschaftsansitz
24. Oktober 10.00 Kindergartengruppe Lübeck
19. November 09.00 Ansitzdrückjagd Moorgarten*
09. Dezember ab 18.00 Jahresabschlussversammlung der
Moorgartenjäger

Pünktlich um 16.00 Uhr trifft eine Gruppe gestandener Herren im Lehrrevier Moorgarten ein! Es handelt sich um eine Sängergruppe aus Stockelsdorf, die Werner Kröger bei mir angemeldet hat. Die Einweisung und Führung durch das Revier dauerte etwa 1 ½ Stunden. Die anschließende Hundevorführung brachte so manchen Teilnehmer in Erstaunen. Christine Nolte, Sabine Emmrich und Daniela Weise zeigten den Gästen, was ihre Hunde jagdlich zu leisten vermögen. Hervorheben möchte ich den sechsjährigen erblindeten Schäferhund von Sabine Emmrich. Ein Teilnehmer versteckte sich auf dem Hof, dann hielt Frau Emmrich dem Hund ein entsprechendes Kleidungsstück unter die Nase und auf einen Befehl hin ging der Hund dann zielstrebig der Spur des Helfers nach und spürte ihn schließlich bei seinem Versteck auf. Nach der Vorführung saßen wir alle bei Grillwurst und kühlen Getränken vor der Hütte. Die Sängergruppe bedankte sich mit wohlklingendem Gesang begleitet von einem Akkordeonspieler. Wir Jäger sangen kräftig mit. Dank des Vollmondes hatten wir auch noch eine schöne Abendkulisse! Der erfolgreiche Abend endete mit Jagdhornklängen und der Beteuerung unserer Gäste, viel über heimische Tiere und uns Jäger gelernt zu haben.

Jeden Mittwoch treffen sich Jürgen Block, Ingo Czieslik, Heinz Hänel, Rüdiger Laux, Rudi Becker und ich im Lehrrevier. Die anfallenden Arbeiten im Revier sind vielseitig! Im Vordergrund steht die Sicherheit beim Begehen der Ansitze! Wir betreuen sehr viele unterschiedliche Gruppen, da muss alles genauestens überprüft werden, bevor ein Gast die Kanzel besteigen kann. Pirschwege fegen, Stege bauen und instand halten, Leitern, Fußböden und Dächer der Kanzeln reparieren! Kirrungen bestücken, Wiesen schlegeln Bäume fällen und zu Brettern verarbeiten und vieles mehr! Herzlichen Dank für diese umfangreiche Unterstützung!

John Weyn
Eine ehrenamtliche Aufgabe zu übernehmen, muss wohl bedacht sein! Ich habe durch meinen Vorgänger Jürgen Block sehr viel gelernt und einen guten Einblick in die umfangreiche Tätigkeit des Revierleiters bekommen. Ich war mir deshalb der Verantwortung bewusst, die die Betreuung des Lehrreviers mit sich bringt. Dennoch gab es eine Situation, in der ich lieber auf Mallorca weilen würde!
So erhielt ich im vergangenen Jahr um die Mittagszeit einen Anruf von der Polizeistation Moisling! Es wird sich sicherlich mal wieder um Fallwild handeln, das ich bergen muss waren meine ersten Gedanken! Doch sollte ich mich kräftig irren! Ich hätte mich umgehend zur Reeker Brücke (Hamberge) zu begeben. Fünf Bullen spielten dort „verrückt“ und sollten durch mich erlegt werden. Der zuständige Jagdausübungsberechtigte sei nicht aufzufinden. Die Züge könnten nicht fahren, weil die Bullen teilweise die Schienen belegten. Die Bundespolizei sei vor Ort und die Polizei Lübeck ebenfalls! Ob ich zuständig war oder nicht spielte für die Polizei keine Rolle, sie machte mich kurzerhand zum „Hilfsbeamten der Staatsanwalt“. Ich fuhr zur Brücke und als ich das Aufgebot der Polizei sah, war mir nicht so wohl in der Magengegend. Die Bullen waren auf der Wiese neben der Trave und rückten zusammen. Reporter und NDR-Fernsehen waren anwesend und verstärkten den Druck auf meinen Magen! Der zuständige Bauer stritt sich mit dem Streifenführer um den Zeitpunkt des Abschusses und der Kameramann suchet derweilen schon einmal die günstigste Position für seine Aufnahme . Ich nahm mir den Streifenführer bei Seite und erzählte ihm, dass ich vor laufender Kamera keinen Schuss auf die Kühe abgeben werde. Außerdem kann ich nur in Aktion treten, wenn die Kühe einzeln stehen und Kugelfang gewährleistet ist! Dann sah ich plötzlich auf der Wiese unterhalb der Brücke einen Reiter mit einem langen Pusterohr auf die Kühe zu reiten! Er betäubte einen Bullen nach dem anderen! In meinem Herzen habe ich ihn John Weyn genannt, er hat mich aus einer heiklen Situation befreit! Erleichtert fuhr ich nach Hause! Wenn ich auch sonst Schnaps ablehne, einen Jägermeister habe ich mir erlaubt zu trinken!

Ich wünsche allen Jägerinnen und Jäger der Kreisjägerschaft Lübeck ein erfolgreiches Jagdjahr!
 
Ernst Pnischak
 

Einzeljagd, Ansitzjagd, Drückjagd und Strecke!

Der Abschussplan für das Lehrrevier wurde im Laufe des Jagdjahres erfüllt.
Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren hatten wir bei unserem traditionellen Gemeinschaftsansitz am 1. Mai kein Jagderfolg! Der Jungjäger Thorben Hischer und die Jungjägerin Sabine Emmrich erlegten im Juni erstmalig einen Jährling und ein Schmalreh.
Im Revier halten sich wieder vermehrt Sauen auf, die Kirrungen waren das Jahr über angenommen. Auf der Gemeinschaftsjagd am 19.11.2011 hatten die Treiber eine Rotte Sauen -etwa 25 an der Zahl- auf die Läufe gebracht! Davon lagen neben 5 Rehen sechs Sauen auf der Strecke!
Der Hasenbesatz hat deutlich zugenommen, Kaninchen halten sich nach wie vor nicht im Revier auf.
Als Fallwild ist neben Rehwild insbesondere der Marderhund zu nennen. Ein deutliches Zeichen, dass er sich im Revier aufhält.

 

Sauen, Sauen, Sauen!

Es ist Mittwoch der 19. Oktober 2011! Die Moorgartenjäger sind mit den Vorbereitungen für die Ansitzdrückjagd im November beschäftigt! Jeder Sitz muss kontrolliert und eventuell repariert werden. Mit dem Freischneidegerät wird für genügend Schussfeld gesorgt und an geeigneten Stellen werden die vom Team neu gebauten Drückjagdsitze plaziert. Heinz Hänel und ich haben die Kirrungen kontrolliert, Sauen scheinen nicht im Revier zu stecken. Nach getaner Arbeit treffen wir uns noch in der Jagdhütte und ich frage die Jäger, ob sie zum Ansitz gehen möchten. Wir haben heute alle etwas vor und so verabschieden wir uns voneinander. Auf der großen Ackerfläche an der Wesenberger Straße ist der Landwirt Richard Dabelstein mit seinem Helfer dabei, an einem Drainagesiel zu arbeiten. Als der Helfer aus dem Graben über das weite Feld schaut, glaubt er seinen Augen nicht zu trauern, als er ca. 30 Sauen im Anblick hat. Der Landwirt schaut ebenfalls in die Richtung mit der Bemerkung: „Typisch und kein Jäger weit und breit zu sehen“ als plötzlich ein Schuss fällt und ein Überläufer am Boden liegt! Die Rotte verharrt und blickt in Richtung Waldrand (Bartelsholz) als ein zweiter Schuss einen weiteren Überläufer streckt.


Zehn Minuten zu vor:
Stefan Dohse sitzt auf der Wiesenkanzel und glaubt nicht mehr daran, dass er Wild in Anblick bekommt. Er schaut über die große Ackerfläche bis zum gegenüberliegenden Waldrand „Branden“. Der Abend ist aber so stimmungsreich, dass er gern noch etwas sitzen bleibt. Sich entspannen, seinen Gedanken freien Lauf lassen und die Natur genießen, der Ansitz bietet dafür die beste Gelegenheit. Just in diesem Moment erreicht eine Rotte Sauen –etwa 30 Stück- von der Wesenberger Str. kommend den großen Acker vor der Wiesenkanzel und der Puls des Jägers schnellt in die Höhe! Das ist für unser Revier ungewöhnlich. Ein Anblick, den Stefan Dohse niemals vergessen wird. Jetzt heißt es, Waffe auflegen, entsichern, das kleinste Stück aussuchen, prüfen ob Kugelfang gegeben ist und schon bricht der Schuss! Getroffen! Die Rotte bleibt stehen und schaut in die Richtung der Kanzel! Ein weiterer Schuss fällt und – wieder getroffen! Die Rotte läuft in hohem Tempo direkt auf die Kanzel zu und verschwindet in den Wald. Gemeinsam bergen wir die beiden Stücke, versorgen sie und sprechen noch eine Weile über dieses Jagderlebnis!

Das "fliegende Reh"!

Der Abschussplan für das Lehrrevier Moorgarten ist noch nicht ganz erfüllt und so beschließen Daniela Weise und ich in das Revier zu gehen und auf Rehwild anzusitzen. Der fahrbare Sitz am Mast und die Fichtenleiter Nähe der Grinau ist von der Windrichtung her gut geeignet und so besetzen wir am Nachmittag die Stände! Uns bleibt nicht viel Zeit, in weniger als zwei Stunden wird es dunkel sein. Die Wahl ist gut getroffen, denn vor uns liegt ein Rapsfeld, das dem Wild Äsung bietet. Hinter dem Fichtensitz Richtung Grinau erstreckt sich ein kleiner Grüngürtel mit dichtem Fichtenbewuchs, das Rehwild hält sich dort tagsüber gern auf.
Es ist nasskalt, der Sitz bietet wenig Schutz und so pustet mir der Wind unangenehm ins Gesicht, die Temperatur liegt etwas über dem Gefrierpunkt. In meiner Umgebung regt sich nichts und das letzte Büchsenlicht ist in wenigen Minuten zu erwarten. Innerlich bereite ich mich auf das Abbaumen vor, als mich plötzlich ein Schuss aus Richtung der Fichtenleiter überrascht! Deutlich vernehme ich Kugelschlag! Jagdfreude und eine gewisse Spannung breitet sich in mir aus. Schnell entlade ich das Gewehr und baume ab. Aus der Ferne sehe ich schon Frau Weise am Anschuss stehen. Sie ist gut abgekommen berichtet sie mir, was auch am Schweiß deutlich zu erkennen ist. Das Wild ist nach der Zeichnung direkt in den kleinen Wald abgesprungen. Es ist bereits so dunkel, dass wir beschließen, unseren Hund „Anca“ auf die Spur zu setzen! Weit kann das stark angeschweißte Reh nicht gekommen sein. Unser Hund nimmt auch unverzüglich die Nachsuche auf. Einige Schritte hinter der Waldkante bleibt er stehen und schaut uns an als wollte er sagen: “ Eh Meister, die Arbeit ist getan, nu rück mal mit nem Leckerli raus“! Doch weit und breit ist kein Stück zu sehen. Von uns erneut ermuntert weiter zu suchen, wird von Anca geradezu ignoriert! Wir schauen uns an, unsere Enttäuschung ist nicht zu übersehen! Dann müssen wir wohl doch eine Hundeschweißstation anrufen. Als wir vom Wald in Richtung Feldkante stehen, sehen wir in einer Astgabel in ca. 1,5 m Höhe etwas, was dort nicht hingehört, es ist unser Kitz, das mit einem gewaltigen Sprung in den Wald auf dieser Astgabel geradezu hineingeflogen ist. Ein Jagdereignis, das in einem Jägerleben sicherlich zu den selteneren Erlebnissen zählt.

Öffentlichkeitsarbeit

Ob Kindergartengruppen, Schulklassen oder Erwachsenengruppen, stets haben sich die Moorgartenjäger mit großem Engagement dieser Gruppen angenommen.

 


Danke an Daniela Weise, die mit viel Geschick und ohne Kostenaufwand die Hütte vor Beginn der Veranstaltung mit den jahreszeitlichen Wildpflanzen und Zweigen ausschmückte. Danke auch an die vielen Jäger, die während der Ferienpassaktion die Kinder mit zum Ansitz nahmen und sie liebevoll betreuten.

 

Im Laufe der Jahre hat sich in Lübeck und Umgebung das „Naturereignis Moorgarten“ herumgesprochen. Immer mehr Anmeldungen insbesondere von Schulen und Kindergärten gehen bei uns ein. Während einer Ferienpassaktion wurde ich von einem Elternpaar angesprochen, ob wir im Lehrrevier auch Kindergeburtstage betreuen. Am 28. Mai habe ich dann unter dem Motto „Erlebniswald Moorgarten“ für Joline Borchert ( 8 Jahre) eine Feier vorbereitet und durchgeführt. Joline und ihre kleinen Gäste waren begeistert.

 

 Sehr viel Freude konnten wir auch einer Behindertengruppe von der Marli Werkstatt bereiten, die sehr diszipliniert und mit immer wieder neuen Fragen die Führung durch das Revier belebte. Es handelte sich um eine Gemeinschaft „Betreutes Wohnen“!
Von Herrn Vesper habe ich Rehgehörn bekommen. In liebevoller Kleinarbeit hat Herr Gert Fennert für das Lehrrevier Moorgarten daraus Schlüsselanhänger, Flaschenöffner und Halsketten gebastelt. Ein Dankeschön an Herrn Vesper und Hernn Fennert.

 

Damit die Mitglieder der Kreisjägerschaft Lübeck einen Überblick bekommen, wer sich im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit im Laufe des Berichtsjahres im Lehrrevier anmeldete, habe ich unseren Terminkalender nachfolgend eingestellt.

 

Das ist des Jägers

Ehrenschild,
daß er beschützt

und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt,

wie sich’s gehört,
den Schöpfer im

Geschöpfe ehrt.