Liebe Jägerinnen und Jäger der Kreisjägerschaft Lübeck,

 

der nachstehende Jahresbericht soll Ihnen Aufschluss darüber geben, was sich im Laufe des Jahres 2010 im Lehrrevier Moorgarten ereignet hat. Ich habe ihn in Form eines „Jahresrückblicks“ verfaßt und die wesentlichen Ereignisse im jeweiligen Monat geschildert. Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit wahrnehmen und allen Jägern und Jägerinnen danken, die das Lehrrevier unterstützen, ganz besonders aber meinem Team. Ohne deren Hilfe wäre die umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, die Betreuung der Jungjäger und die Erhaltung der jagdlichen Einrichtungen im Revier nicht möglich. Eine Anmerkung zum Schluss des Vorwortes! Das Revier wird von Ihnen, den Mitgliedern der Kreisjägerschaft Lübeck getragen! Besuchen Sie uns doch einmal, gern auch mit Familie, Verwandschaft oder Freunden! Auf Wunsch und nach Vereinbarung, führen wir Sie durch das Revier.

Ich wünsche Ihnen für das Jahr 2011 viel Anblick und Waidmannsheil.

 

Ernst Pnischak

 

 

Jahresrückblick 2010

 

 

Januar:

 

 Ein strenger Winter zeichnet sich ab, die Moorgartenjäger beschäftigen sich hauptsächlich mit der regelmäßigen Versorgung der Fasanenschütte am Biotop und der Bestückung der Kirrungen.

 

 

Februar:

 

 Der Winter macht Mensch und Tier zu schaffen, die Jagdbehörde spricht die Notzeit aus und es beginnt im moorgartener Revier die Fütterung des Wildes. Aus unserer Sicht zu spät! Rosagetränkter Schnee von den wundgeschlagenenen Schaalen des Rehwildes sind zeugen von der Not der Tiere. Die eingerichteten Futterstellen werden nicht sofort angenommen. Der strenge Winter läßt erfreulicher Weise bereits kurz nach Ausrufung der Notzeit nach.

 

 

März

 

Der Frühling steht vor der Tür, die Natur erwacht , das Rehwild zeigt sich überall im Revier. Die Böcke fegen und markieren eifrig ihre Einstände. Die Moorgartenjäger pirschen und beobachten das Treiben mit Spannung.

Wir haben die Erlaubnis der Forst erhalten, eine Duglasie zu fällen. Genau das Richtige für die Spezialisten des Teams. Alles geht gut und der gefällte Baum wird zu Brettern gesägt! Im Wald heulen die Kettensägen , Jürgen Block, Heinz Hänel und Ingo Czieslik arbeiten ohne Pause, doch die Mühe hat sich gelohnt. Die fertigen Bretter werden zur Hütte gebracht. Dort sägen wir aus den Brettern Kanthölzer, die dringend für den Bau und der Reparatur von Kanzeln benötigt werden.

 

 

April

 

Die Sonne scheint schon sehr kräftig, wir erfreuen uns an dem frischen Grün der Blätter! Die Abendansitze verlaufen erfolgreich, das Rehwild tritt überall aus! Noch zeigen sich die Rehböcke „ungeniert“, als ob sie wüßten, dass „Hahn in Ruh“ herrscht. Längst kennen die Jäger die Wechsel und Einstände der Böcke.

 

 

Daniela Weise und ich transportieren einen Anhänger voller Pflanzen von der Landespflanzenbörse in das Revier. In einer Gemeinschaftsaktion werden die Pflanzen am Biotop eingesetzt und eingezäunt. Im Biotop steht auch ein Insektenhotel, das vor einigen Jahren von Schulkindern im Rahmen eines Projekttages errichtet wurde. Unweit dieser Stelle soll eine Wildwiese entstehen. Doch die vorbereitenden Arbeiten erweisen sich als ungewöhnlich schwer. An dem Ort stand ehemals ein alter Schuppen. Steine, Scherben, Wurzelwerk und Unkraut müssen entfernt werden. Pflügen und grubbern und immer wieder den Boden von Unrat entfernen, dann ist es geschafft, die Saat kann eingearbeitet werden.

 

 

Mai

 

Die Pirschwege werden gefegt, auf einwandfreies Schußfeld geachtet und die Kanzeln nochmals auf Sicherheit überprüft. Die Jagd kann beginnen.

Zum Bockaufgang treffen sich alle Moorgartenjäger traditionell um 04.00 Uhr in der Hütte. Alle Jäger haben die Schießnadel nachgewiesen. Ich kontrolliere die Jagdscheine und verteile die Begehungsscheine. Nach der Freigabe des Wildes nehmen die Schützen ihre Stände ein. Stefan Dohse hat als erster Jäger Waidmannsheil, ein guter Abschussbock! Nach dem Ansitz erfolgt traditionell das Verblasen des Rehbockes und die Übergabe des Bruches, traditionell erklingen dazu die Jagdhörner! Beim gemeinsamen Frühstück und bester Stimmung werden die morgentlichen Anblicke besprochen und natürlich mit den gewohnten „Jägerkommentaren“ begleitet.

Die Revierarbeiten gehen wie gewohnt weiter. Für die spätere Aussiedlung des Steinkauzes am Biotop sind noch einige Vorbereitungen zu treffen.

 

Die Eulenkästen an den Eingängen müssen mit Buttersäure beschmiert werden, damit der Marder vergrämt wird. Rudi Becker stellt sich in einem am Traktor angebrachten Korb und wird so in die Nähe der Nistkästen befördert. Die paar Tropfen, die seine Kleidung und Schuhe beim Streichen treffen, vielen zunächst nicht auf! Der Geruch machte sich dann für einige Zeit in seinem Kfz bemerkbar!

Die Öffentlichkeitsarbeit beginnt, die Grundschulklasse Niendorf/Moisling besucht das Revier.

 

 

Ich kenne schon die erste Frage der Kleinen nach dem Betreten der Jagdhütte: Duuuhhu, hast du „die da“ alle totgeschossen? Anmerkung: „Die da“ steht für „Präparate“. Die Kinder, die Lehrerin und die Begleiter sind nach der Führung begeistert und nehmen über die Tätigkeit der Jägerschaft einen positiven Eindruck mit nach Hause.

Was für eine Überraschung! Der Vater von Stefan Dohse hat die Pflastersteine vor der Hütte verlegt. In einer Gemeinschaftsaktion hatten wir die Steine hoch nehmen müssen, um eine Leitung verlegen zu können. Und noch eine Freude im „Wonnemonat Mai“, im Treckerraum und auf dem darüber liegende Boden hat Heinz Hänel Leuchtröhren angebracht, fortan tappen wir nicht mehr „im Dunkeln“.

 

Weiteren Jagderfolg im Mai haben Alwin Beetz (Bock) und Stefan Dohse (Jährling)! Ich habe ein Schmalreh erlegt.

 

 

Juni

 

Die unerwartet große Hitze macht Mensch und Tier zu schaffen. Das Steinkauzprojekt schreitet voran! Voraussetzung für die Ansiedlung von Steinkauzpaaren ist, dass die Streuobstwiese am Biotop kurz gehalten wird. Trotz ungewöhnlichen Hitze schlägelt Jürgen Block und Ingo Czieslik das hoch stehende Gras an mehreren Tagen kurz. Eine Hundsarbeit!

 

 

An zwei Stellen lassen sie einen Bereich als Deckung für das Wild stehen. Das Biotop sieht märchenhaft aus, wir genießen immer weder den Aufenthalt dort. Die Streuobstbäume, die hochstehenden, wie Schilfgürtel wirkenden Grasinseln, das von Schulkindern errichtete Insektenhotel, die Fasanenschütte in der Nähe des angelegten Teiches und die künstlich angelegte Hecke lassen diese Fläche als etwas Besonderes, Beruhigendes erscheinen.

 

Die Reparaturarbeiten an der Martinskanzel beginnen und sind doch umfangreicher als im erstem Augenblick gedacht. Auch die Wolfskanzel steht zur Reparatur an.

Zeitgleich beginnen die Vorbereitungsarbeiten für den „Tag der offenen Tür“ . Der Treckerraum wird zu einer rustikalen Hütte umgestaltet, aus Drückjagdsitzen werden Tresen für die Grillecke und den Kaffeestand gebaut. Das Naturmobil wird auf den Vorplatz gestellt und der Trecker für den Transport der Besucher durch das Revier vorbereitet. In einem Schuppen bauen wir einen Schießstand auf. Auf einer Rasenfläche wird ein Bereich eingezäunt, auf dem eine Heuburg für die Kinder entsteht. Alles wird mit viel Herz hergerichtet.

 

 

Dann ist es so weit, am Ende eine wirklich gelungenen Veranstaltung! Kein großer Andrang seitens der Kreisjägerschaft, aber das Team genießt den Tag.

 

Jürgen Block hat Waidmannsheil, ein Schmalreh kommt zur Strecke.

 

 

Juli

 

Nach dem Tag der offenen Tür kehrt im Revier Normalität ein, das heißt, weiter machen mit den anstehenden Arbeiten. Es ist drückend heiß, unser Augenmerk fällt auf die Obstbäume am Biotop, sie brauchen jetzt viel Wasser. Gut das uns ein Trecker zur Verfügung steht, so können wir mehrere große Kübel voll Wasser auf einmal transportieren.

Vor der Wiesenkanzel steht das Gras so hoch, dass kein sicheres Schußfeld mehr gegeben ist. Jürgen Block sorgt mit Traktor und Schlegler für Abhilfe.

Zeitgleich erneuert Heinz Hänel und Ingo Czieslik die Teerpappe am Boden der Kanzel.

 

 

Die Öffentlichkeitsarbeit nimmt jetzt stetig zu! Eine Sexta der „Oberschule zum Dom“ aus Lübeck, 2 Grundschulklassen, zwei Kindergartengruppen, ein Lehrerkollegium aus der Grundschule Moisling und eine Studiengruppe aus Hamburg werden durch das Revier geführt.

 

 

 

Während eines Revierganges entdeckt Ingo Schoenemann einen verendeten Marderhund. Offensichtlich wurde er vom Auto angefahren.

 

 

August

 

Ohjeh der Schlegler ist kaputt! Der Wildacker vor der Martins- bis zur Wolfskanzel ist dadurch nicht fertig geworden. Mit Freischneidern bearbeiten Jürgen Block und ich die restlichen Flächen.

 

 

Die Ferienpassaktion ist angelaufen! Sicherheit hat höchste Priorität. Alle hierfür vorgesehen jagdlichen Einrichtungen werden – auch auf vorhandene Wespennester- genauestens überprüft. An vier Tagen während der Ferienzeit sitzen die Kinder mit den Jägerinnen und Jägern an. Es macht allen viel Spaß. Erstmalig sind auch die Eltern dabei. Während die Kinder noch ansitzen, können sie bei Bratwurst und Bier diesen Abend miterleben. Die Eltern stellen zum Thema Jagd viele Fragen und wir können so manches „Vorurteil“ entkräften. Alle haben viel Spaß!

 

Ingo Schoenemann streckt einen Jährling.

 

 

September

 

Die Vorbereitungen für die Ansitzdrückjagd beginnen. Eine intensive Begehung des Reviers und Überprüfung der teils über 10 Jahre alten Drückjagdsitze haben gezeigt, dass einige Sitze unbrauchbar geworden sind und erneuert werden müssen. Ingo Czieslik und Jürgen Block haben einen neuen Typ Ansitz vorgeschlagen. Heinz Hänel, Ingo Schoenemann, Stefan Dohse, Jörg Andersen und ich gehen beiden zur Hand und so schaffen wir in einer Gemeinschaftsarbeit rechtzeitig vor Jagdbeginn die Sitze fertig zu stellen.

Eine Mutter hatte während der Kinderpassaktion gefragt, ob wir auch Kindergeburtstage anbieten. Ich habe spontan ja gesagt und so habe ich im Lehrrevier der Kreisjägerschaft Lübeck erstmalig einen Geburtstag mit waldpädagogischen Elementen ausgerichtet. Im nächsten Jahr werden wir dieses Angebot wiederholen.

 

Stefan Dohse hat Jagderfolg, er erlegt einen „Jährling“.

 

 

Oktober

 

Die Vorbereitungen für die Ansitzdrückjagd gehen weiter! Die Kanzeln werden überprüft und müssen zum Teil repariert werden! Schußfelder werden frei geschnitten und die Wege zu den Sitzen markiert.

Zum Abschluss der Öffentlichkeitsarbeit führe ich noch eine Kindergartengruppe durch das Revier.

 

 

November

 

Unsere Konzentration richtet sich in diesem Monat ganz auf die Ansitzdrückjagd! Sitze werden aufgestellt, Ansteller und Schützen werden eingeteilt, Polizei und Tierarzt informiert. Die Aufstellung der Verkehrsschilder besprochen, Streckenplatz und Aufbruchstelle vereinbart, Essen und Getränke besorgt. Der Trecker mit Hänger bereitgestellt. Dann ist es so weit! 23 Schützen und 14 Treiber sowie 5 Hunde haben sich eingefunden. Sicherheit steht ganz vorn, nichts darf schief gehen. Rehwild befindet sich überall im Revier, zwei Rotten Sauen werden „hoch gemacht“! Am Ende der Jagd liegen 2 Kitze und zwei Überläufer auf der Strecke. Jagdkönig wurde Alwin Beetz. Einen besonderen Dank geht an die Treiberwehr und die Hundeführer mit ihren zuverlässigen und gut ausgebildeten Hunden.

Nach der Jagd, dem Abbau der Sitze und die Wiederherstellung der Räumlichkeiten in den alten Zustand geht es weiter mit den Arbeiten im Revier.

Jürgen Block und ich beschaffen einen Hänger voller Zuckerrüben aus Mecklenburg Vorpommern.

 

 

Dezember

 

Eine Überraschung zur Vorweihnachtszeit! Unsere interne Jagd, an der vornehmlich das Moorgartenteam teilnimmt, endete überraschend! Auf der Strecke lagen 8 Stück Rehwild. Jagdkönig mit drei Stück Rehwild wurde Alwin Beetz. Daniela Weise konnte 2 Stücke Rehwild erlegen, Jürgen Block ein Kitz und ich eine Ricke und ein Kitz.

 

 

Am 19.12. führen Jürgen Block, Daniela Weise und ich eine Seniorenwandergruppe durch das Revier. Unter Ihnen befindet sich die Bürgermeisterin von ……… und der stellvertretende Bürgermeister von…………

 

Wegen der hohen Beteiligung haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt. Bei gutem Wetter laufen wir über verschneite Äcker und Wiesen. Wir zeigen den interessierten Gästen den „Eisvogelkontainer“ und am Biotop die verschiedenen Einrichtungen vom „Insektenhotel“ bis hin zum Projekt „Ansiedlung des Steinkauzes“ . Danach geht es in die Jagdhütte Moorgarten. Nach einer guten Stunde angeregter Diskussionen geht auch diese im Jahr 2010 letzte öffentliche Veranstaltung erfolgreich zu Ende.

 

Die Polizei meldet mir am 20.12. ein Stück Rehwild als Fallwild, das ich noch entsorgen muss, dann aber kehrt für die letzten Tage im Dezember Ruhe ein im Lehrrevier Moorgarten der Kreisjägerschaft Lübeck.

Das ist des Jägers

Ehrenschild,
daß er beschützt

und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt,

wie sich’s gehört,
den Schöpfer im

Geschöpfe ehrt.