Auftakt der Öffentlichkeitsarbeit im Lehrrevier der Kreisjägerschaft Lübeck am 30. März 2011

 

Pünktlich um 09.00 Uhr erreichten die Schüler der 3. Grundschulklasse Lübeck/Niendorf die Jagdhütte des Lehrreviers Moorgarten der Kreisjägerschaft Lübeck. In ihren Rucksäcken befand sich ordentlich Proviant. Schließlich müssen die verbrauchten Kalorien durch die Einnahme von „Naschies“ und Getränken wieder „reingeholt“ werden.

 

Nach einem kräftigen „Guten Morgen Herr Pnischak“ nahm die Gruppe von 16 Schülern im Alter zwischen 8 und 10 Jahren in der Jagdhütte Platz. Aufmerksam und mit reger Beteiligung aller Schüler/Innen wurden die wesentlichen Merkmale unserer heimischen Tierwelt erarbeitet und an die Tafel geschrieben.

 

Natürlich kommen Schmetterlinge, Würmer, Käfer oder Frösche als „heimische“ Tiere in Betracht, dennoch habe ich mich -aus Zeitgründen- auf die Merkmale von Hase, Fuchs, Reh- und Schwarzwild konzentriert.

 

Nach einer guten halben Stunde wurde es Zeit, eine Pause einzulegen. Für die begleitende Lehrerin und ein Elternteil gab es Kaffee. Eine Unterhaltung verlief für uns Erwachsene aus dezibelltechnischen Gründen unter erschwerten Bedingungen! Schließlich will auch der letzte der 16 Schulkinder Gehör bei seinen Schulfreunden finden und das geht nur durch entsprechende Lautstärke. „Pause einstellen“!

 

Die Kinder bildeteten einen Halbkreis um den Fährtenkasten. Dort zeigte ich Ihnen die Abdrücke von Reh- und Schwarzwild und erklärte den erstaunten Kindern die wesentlichen Unterschiede. Jetzt durften sie anhand der präparierten Läufe eine Fährte nachbilden.

 

Die Spannung für den bevorstehenden Ausflug in das Revier wuchs. „Sehen wir auch eine Schlange oder ein Reh oder ein Wildschwein“? Ich konnte mich nicht zurücknehmen und gab eine etwas freche Antwort: „Ich kann die Tiere leider nicht auf die Lichtung bestellen, die haben ihr Handy ausgeschaltet“! Natürlich habe ich sofort danach eine vernünftige Erklärung abgegeben.

 

Nach dem Signal „Aufbruch zur Jagd“ ging es in den Wald. Überrascht war ich darüber, dass die Kinder über die richtige Verhaltensweise im Wald gut aufgeklärt waren! Auf den Hauptwegen bleiben, kein Bonbonpapier oder ähnliches auf den Waldboden schmeißen und möglichst ruhig bleiben waren deren Antworten. Keine Pirschwege betreten, Hunde an die Leine nehmen und reiten nur auf vorgesehenen Reitwegen fügte ich hinzu. Sammelsurium war angesagt!

 

Noch schnell ein Foto der Gruppe am Schlagbaum zum Wald schießen, dann teilten sich die Kinder in zwei Gruppen auf, eine Gruppe ging in den Nadelwald, eine in den Bereich eines Mischwaldes. Zu suchen waren Naturgegenstände: Etwas Kleines, etwas Biegsames, etwas Ekliges, etwas Totes, etwas Krummes etc.! Nach 15 Minuten stellten sich die beiden Gruppen in Reihe gegenüber und jeder zeigte und erzählte über seinen Gegenstand.

 

Bei einigen „Funden“ wurden die Schüler/Innen skeptisch und prompt kam die Frage auf mich zu: “Hast du das da hingelegt?“ Diese Frage habe ich „offen“ gelassen! Einen Fuchsschädel, Abwurfstangen oder Zahnleisten vom Rehwild auf so engem Raum? 3. Grundschulklasse, ganz schön plietsch!!

 

Weiter ging es durch den Wald bis zu einer Stelle, an der eine alte Eiche steht. Woran erkennt man das Alter eines Baumes?

„An den Jahresringen“ erklang es aus fast allen Mündern. Richtig, dann sagt mir einmal wie alt diese Eiche ist! Verblüfftes Schweigen!! Vier Kinder mit ausgebreiteten Armen waren nötig, bis ihre Hände den Baum umschlossen. In einer Reihe aufgestellt ergab dies einen Baumumfang von 3,80 m. 20 cm ergeben ca. 10 Jahre , wie alt ist die Eiche demnach? Der beste in „Mathe“ hatte auch gleich die richtige Antwort parat, 190 Jahre!!

 

Jetzt ging es weiter den Pirschweg entlang bis zu einer großen Ansitzkanzel. Unterwegs trafen wir auf Fegestellen des Rehbocks und Schlafplätze des Rehwildes. Zu viert, aber natürlich jeder einzelnd, kletterten die Kinder auf die Kanzel. Ein schöner Ausblick, ein Hase und ein Greifvogel kamen in das Blickfeld der Kinder. Wenn ihr hier oben in aller Stille die Natur beobachtet, dann seht ihr auch ohne Fernglas jede Bewegung vor Euch, erklärte ich den Kindern.

 

In der Nähe der „Wollfskanzel“ haben wir eine Kirrung angelegt! Dort gab es viel zu sehen! Die Maiskörner unter den Baumscheiben waren alle aufgefressen worden und am Malbaum waren ein paar Haare vom Wildschwein zu sehen. Auch die Losung vom Wildschwein fanden wir auf dem Wildacker darüber hinaus jede Menge, Fährten vom Reh- und Schwarzwild auf dem Weizenfeld, die den Kindern bekannt vorkamen, hatten sie doch gerade am Sandkasten die Trittsiegel nachvollzogen. Sogar eine Dachsspur konnte ich den Kindern zeigen. Seht einmal hier, man sagt auch, der Dachs „nagelt“ sehr stark. Alle 5 Krallen (Nägel) an jeder Brante zeichnen sich deutlich ab, dasselbe gilt für die Ballen.

 

Die letzte Station führte die Klasse zu einem Drückjagdsitz, vorbei an einen umgekippten Baum, dessen großer Wurzelballen von den „Kleinen“ bestaunt werden konnte. Drei Kinder spielten den „Jäger“ und setzten sich auf den Sitz. Mit geschlossenen Augen warteten sie so lange ab, bis sich alle anderen Schüler im Umfeld des Sitzes versteckt hatten. Auf mein Zeichen mußten die „Jäger“ die Verstecke der Kinder entdecken und den jeweiligen Namen ihres Mitschülers laut aufrufen. Wer entdeckt wurde, kam zum Sammelplatz. Jeder wollte unbedingt auch einmal den „Jäger“ spielen und so dauerte diese Aktion entsprechend lange.

 

Jetzt aber zurück zur Jagdhütte, die Rucksäcke geschnallt und nach einem einstimmigen Dankeschön Herr „Förster“ verabschiedet sich die Gruppe von mir. Als Kind war es mein größter Wunsch später einmal „Förster“ zu werden! Mit einem „Schmunzeln“ auf den Lippen habe ich es mir verkniffen, den Kindern den Unterschied zwischen einem Jäger und einem Förster zu erklären.

 

Es werden in diesem Jahr noch viele Schulklassen, Kindergartengruppen, Studenten oder Vereine durch das Lehrrevier der Kreisjägerschaft Lübeck geführt. Dabei kommt es nicht auf das Alter der Gruppenmitglieder an, die Begeisterung ist allen Beteiligten anzusehen. Wenn auch noch damit verbunden wird, den Ruf der Jägerschaft nachhaltig zu verbessern, ist eines unserer Ziele im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit erreicht.

 

Ernst Pnischak

Das ist des Jägers

Ehrenschild,
daß er beschützt

und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt,

wie sich’s gehört,
den Schöpfer im

Geschöpfe ehrt.